Magenbypass

Mein Weg zum Magenbypass

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Aus Datenschutzgründen nenne ich keine Namen von den Beteiligten.

Schade eigentlich, weil ich so begeistert von ihnen allen bin. Wenn ich wieder bei ihnen bin, frage ich mal nach,ob ich sie im Nachhineinen namentlich erwähnen darf.

Vorwort 

Bis zu meinem 16. Lebensjahr hatte ich nie Gewichtsprobleme. Ich konnte alles essen und trinken was ich wollte und fühlte mich immer wohl in meiner Kindheit und Jugend. Ob es dann an meiner Ausbildung zum Autolackierer oder der ungesunden Ernährung lag, weiß ich bis heute nicht. Nur eins weiß ich, daß ich nach 8 Jahren lackieren Blut spuckte und Eiter auf der Lunge hatte. Bis zum Sonntag, 12.02.2017 trank ich Alkohol und war Raucher. Ich hatte schonmal für acht Jahre aufgehört zu rauchen. Aber seit dem besagten Sonntag gab es keinen Schluck Alkohol und auch kein Nikotin mehr. Nicht daß jetzt der Eindruck entsteht, daß ich alkoholabhängig war, nein, unter Woche trank ich immer nur Mineralwasser. Nur am Wochenende wurde dann oft einer über den Durst getrunken beim Fußball oder Speedway. 

Diese Diagnosen wurde bei mir am 27.06.2016 festgestellt:

  1. Adipositas Grad III (BMI 46,2kg/m², 148kg)
  2. Diabetes mellitus Typ 2
  3. muskuloskelettales Überlastungssyndrom
  4. OSAS unter CPAP – Therapie
  5. Bandscheibenvorfall
  6. V.a. NASH

und das bei einem Alter von 44 Jahren und einer Größe von 180 cm.

Meine Tabletten, die ich zur Zeit (Stand 30.06.018) täglich nehmen muss:
Allopurinol AL 360
Ramilich 10 mg
Citalopram 20 mg
Jardiance 10 mg
2 x Metformin Lich 1000mg
und eine Schlafmaske. 

 

Der Anfang beim Hausarzt …

Es war Dienstag, 07.Juni 2016 als ich zu unserem Hausarzt ging um die ganz normale Jahresuntersuchung zu machen. Am Ende der Untersuchung lag ich erst einmal alleine in einem Raum und wartete auf den Arzt, daß er bei mir noch die Ultraschalluntersuchung macht. Zuvor wurde natürlich Blut abgenommen, ein Lungenfunktionstest und EKG gemacht. Wie schon geschrieben, lag ich nun auf der Liege und schaute wieder einmal meinen Bauch an und konnte es nicht begreifen, daß ich so dick bin. Als ich in Gedanken auf einmal ganz wo anders war, kam auch schon mein Hausarzt alleine herein. Er schaute auf mich und meinte, er komme gleich wieder. „Was hat er nun vor“, dachte ich mir. Auf einmal ist er mit seinem Handy hereingekommen und setzte sich. Dann rollte er zu meinem Fußende und machte ein paar Fotos von dort aus. Nach ein paar Klicks rollte er wieder zu mir hoch und zeigte mir die Fotos. Seine Frage war, ob ich schon mal meinen Bauch aus dieser Perspektive gesehen habe? „Natürlich“, meinte ich und das Gespräch ging weiter. Nun erklärte ich ihm, daß ich „Fressen“ (Entschuldigung für diesen Ausdruck) kann und eigentlich nach einer Stunde wieder Hunger habe. Er hörte mir genau zu und zeigte dann auf einen großen Mülleimer. Seine Aussage war, ob ich ihn sehe, und ich bejahte. Seine Worte „Genau so groß ist dein Magen schon und er wird sich auch nicht mehr zurückbilden, weil er so ausgedehnt ist“ werde ich nicht vergessen. Erschrocken und auch traurig lag ich nun da und wusste nicht mehr, was ich noch sagen sollte. Sein nächster Satz schockierte mich. „Wenn Du nichts dagegen machst, wirst du vielleicht die Hochzeit deiner Kinder nicht mehr erleben.“ Meine zwei Töchter waren zu diesem Zeitpunkt 10 Jahre und 13 Jahre alt. Wie schon im Vorwort erwähnt, habe ich schon Einiges versucht, um Gewicht abzunehmen. Ich fragte ihn, was ich noch machen könnte um abzunehmen. Seine Antwort kam auch prompt, ob ich mir schon einmal Gedanken über ein Magenband gemacht hätte. Logisch, ungefähr vor 14 Jahren habe ich mich schon informiert, aber leider war das zu teuer für mich. Während wir uns so unterhielten, konnte er bei der Ultraschalluntersuchung die Hauptschlagader im Bauch nicht sehen, weil ich zu fett war. Dann sagte er zu mir „Du kommst heute nicht aus meiner Praxis raus, bis ich einen Termin für Dich im Klinikum der Universität München habe!“ Bis ich angezogen war telefonierte er schon mit dem Klinikum. Und schon am 27.06.2016 um 8:00 Uhr hatte ich den Termin für die Adipositassprechstunde. Gleich danach um 8:30 Uhr hatte ich einen Termin bei der Stoffwechselambulanz. Bevor ich seine Arztpraxis verlassen habe, meinte er noch, daß es ein sehr langer Weg sein würde bis zur OP. Aber er unterstützt mich und ich soll am Ball bleiben, auch wenn mal etwas Negatives kommen würde. Oh, wie recht er doch hatte. Nun noch ein ganz großer Dank an meinen Hausarzt, daß er mich auf diesen Weg geschickt hat, und immer für mich da war.

Vorstellung beim PD Dr. med ……

Der Wecker klingelte am Montag früh gnadenlos um 4:30 Uhr.  Also raus aus den Federn, duschen und rasieren. Währenddessen frühstückte meine Frau alleine, da ich ja nüchtern zu diesen beiden Terminen musste. Um 6:00 Uhr fuhren wir in Richtung München los. Es sind zwar nur 112km, aber wir mußten ja über die B12, und so kamen wir kurz vor acht Uhr an. Das nächste Problem lag darin, in diesem großen Gebäude die richtige Abteilung zu finden.  An einem Montag früh sind so freundlich und gut gelaunte Vorzimmerdamen auch selten. Ich habe mich gleich von der ersten Minute an sehr wohl gefühlt. Nachdem ich die ausgefüllten Unterlagen bei ihnen abgegeben habe, wartete ich keine fünf Minuten und der Doktor war schon da. Wir gingen zu Dritt (der Doktor, meine Frau und ich) in ein Besprechungszimmer. Er bat uns zu setzen und meine Gedanke war „WOW, sind das große Stühle“. Die nächste Frage war, warum ich hier sei. Meine Antwort, daß mein Hausarzt mich hierher geschickt hat um ein Magenband wegen meinem Übergewicht zu bekommen. Seine Antwort, nachdem er mich kurz von oben bis untern gemustert hat war ein kurzes aber eindeutiges „NEIN“. Meine Frau und ich sahen uns fragend an. Nach einer kurzen Pause erklärte er uns, daß er das Magenband fast nicht mehr einsetzt. Waren es früher noch 3000 bis 4000 Magenbänder im Jahr, sind es in Deutschland nur noch 300 bis 400. Es gäbe zu viele Probleme damit. Gleich darauf meinte er, bei mir helfe nur ein Magenbypass. Wieder schauten wir uns fragend an. Was bitte ist ein Magenbypass??? Dann nahm sich der Arzt sehr viel Zeit und erklärte uns genau, was das ist, und wie es gemacht wird.  Nachdem er mehr Details zu meinem Leben und unserer Familie wissen wollte, war seine nächste Frage, was denn mein Wunschgewicht wäre. Nach einer kurzen Überlegung sagte ich ihm, daß ich schon superzufrieden wäre, wenn ich auf 110 kg abnehmen könnte (aktuell 148 kg), aber bei 100 kg würde ich mich total freuen. Seine Antwort wieder kurz und knapp „NEIN“. Wieder schauten wir uns fragend an. Kurze Pause seinerseits, damit er im nächsten Satz meinte, ich komme auf 96 kg wenn nicht sogar auf 92 kg runter. Ein riesen Lächeln stand mir wahrscheinlich im Gesicht und ich musste es erst einmal verdauen. Aber das Gespräch ging weiter und er informierte mich, wie auch schon mein Hausarzt zuvor, daß es ein langer Weg sein würde bis zur OP. Er überreichte uns die Unterlagen, welche  ich ausfüllen muss und welche Aufgaben ich erfüllen muss und erklärte alles genau. Wir verabschiedeten uns und ich sagte noch zum Arzt, das ich jetzt schon vollstes Vertrauen zu ihm habe und er mich meinetwegen morgen schon operieren könnte.  Nach ungefähr 45 Minuten verabschiedeten wir uns, und es ging zur Stoffwechselambulanz.

Stoffwechselambulanz bei der Assistenzärztin …

Bei dieser Ärztin kam es zu einem langen Gespräch über meine Ess- und Trinkgewohnheiten. In diesem Gespräch erfuhr ich auch, daß ich eigentlich die ganze Zeit Wasser, Kaffee schwarz und ungesüßten Tee hätte trinken dürfen. Seit letzter Nacht um 22:00 Uhr habe ich nichts mehr getrunken und gegessen, denn ich sollte ja nüchtern kommen. Gott sei Dank hatte meine Frau eine halbe-Liter-Wasserflasche für mich in der Tasche, von der ich sofort einen großen Schluck nahm. Also erzählte ich ihr, was ich trinke und wie ich mich ernähre. Auch daß ich zu diesem Zeitpunktpunkt noch Raucher war, sagte ich ihr. Natürlich sagte ich ihr auch die Wahrheit über meinen Alkoholkonsum an den Wochenenden, so wie immer bei den Ärzten. Was soll ich die auch anlügen, wenn sie mir ja helfen sollen. Kurz darauf warteten wir dann in der Wartehalle auf einen nun folgenden Bluttest. Auf einmal rief eine Arzthelferin meinen Namen und fragte, welchen Tee ich haben wollte. Ich schaute meine Frau fragend an und rief zurück, daß es mir egal ist. Was mich erwarten würde wusste ich ja nicht. Nach einer kurzen Zeit wurde ich wieder aufgerufen und ich musste in das Behandlungszimmer. Dort erklärte mir eine junge, schöne und lustige Arzthelferin den nun folgenden Ablauf. Sie würden mir jetzt, in einer Stunde und dann nochmal nach einer Stunde Blut abnehmen.  Es war ein „großer“ Zuckertest und nach der ersten Blutabnahme musste ich einen halben Liter Tee mit einem mir unbekannten Inhalt innerhalb von fünf Minuten austrinken. Sie meinte, es schmeckt aber nicht so gut, aber ich soll es in fünf Minuten trinken. Hmmm, sie kannte mich ja nicht. Als sie noch Aufkleber mit meinen Namen holte und zurückkam, war das Gefäß mit dem Tee leer. Sie staunte und meinte, daß schaffen nicht viele. Also bekam ich eine Eieruhr in die Hand gedrückt und musste in der Wartehalle eine Stunde warten. Danach ging es wieder zum Blutabnehmen. Wieder die Eieruhr in der Hand, warteten wir wieder eine Stunde, natürlich ging ich ab und zu auch raus um eine zu rauchen. Kurz vor Mittag war ich dann fertig und wir fuhren wieder Richtung Heimat. Natürlich nicht ohne einen Stopp bei einer Bäckerei zu machen um zu frühstücken. Zwei Tage später rief mich die Ärztin an und sagte, ich habe Zucker und soll mir vom Hausarzt zwei unterschiedliche Tabletten verschreiben lassen. Das war für mich eine schockierende Nachricht, daß ich Zucker habe. Gott sei Dank sind aber Tabletten ausreichend. 

Zur Ernährungsberatung …

Im Juli 2016 fuhr ich nach Burghausen um das Erstgespräch bei der Ernährungsberatung zu machen. Der Herr war super nett und höflich und fragte halt mich aus. Auch fragte er mich, ob es mein Wille sei, den Magenbypass machen zu lassen. Natürlich bejahte ich es ihm und erklärte, was ich schon alles ausprobiert habe. Diäten (ich glaub es waren so um die acht, und teilweise echt krasse dabei), drei Wochen LVA Klinik Passau, zwei Jahre Fitnessstudio mit Ernährungsberatung  (drei mal die Woche MO, MI, FR für zwei Stunden) aber nichts hat geholfen. Man nimmt zwar ab, aber genau so schnell sind die Kilos wieder oben. Wie gesagt, daß der Magenbypass meine letzte Hoffnung sei und ich mich darüber freue. Am Montag 08.08.2016 ging es dann zu ersten Sitzung und ich war total begeistert. Dachte ich mir beim hinfahren noch, „Na gut, dann sitz ich halt die Zeit ab“, es war ja nicht meine erste Ernährungsberatung, so war diese sogar sehr gut. Dieser Ernährungsberater machte nicht den Finger hoch und „Das darfst du nicht, und das ist verboten“, sondern es wurde viel gelacht und in dem ganzen Spaß wurde uns auf freundliche Weise erklärt, was man machen kann und was man nicht machen sollte. Auch kochte er immer für die ganze Runde kleine Speißen zum probieren, welche auch noch superlecker geschmeckt haben. Auch das Nordic-Walking brachte er uns richtig bei. Habe ich früher über „diese Wanderer“ schon gelacht, wenn ich sie mit den Stöcken gesehen habe, muß ich heute noch mehr lachen, weil ich jetzt sehe, wie es 85 % falsch machen. Am Donnerstag, 06.10.2016 war mein letzter Tag dort, und beim Verabschieden meinte der Ernährungsberater, ob ich ihn auf dem Laufenden halten könnte. Natürlich habe ich ihn gestern (Dienstag 03.07.2018) von der Zusage informiert, und er hat sich auch sehr für mich gefreut. Also, wenn mal einer einen Ernährungsberater braucht in meiner Umgebung, schreibt mir oder fragt mich. Dort lernt mal viel und er macht es super. Meine Krankenkasse hat 85 % der Rechnung übernommen, und den Rest habe ich selber bezahlt. 

Auf der Suche nach einem psychiatrischen Gutachten …  

Jetzt brauche ich ein psychiatrisches Gutachten, aber woher? Der PD. Dr. med hat mir eine Telefonnummer gegeben, der in München ein Gutachten machen würde. Also dort angerufen, und voll erschrocken, daß eine Stunde dort 360 € kostet. Auf meine Frage, warum es soviel kosten würde, sagte mir die Sprechstundenhilfe, daß der Psychologe ja eine Stunde mit mir reden muss und ein Gutachten ausstellen muss. Meine Antwort darauf „Im nächsten Leben werde ich auch ein Psychologe bei dem Stundenlohn“. Nun, da ich kein Geld zum rausschmeißen hatte, machte ich dort keinen Termin. Bis heute finde ich diesen Stundensatz immer noch zu übertrieben. Bei meinem Hausarzt fragte ich nach einem Psychologen in unserer Gegend, der mir sowas ausstellen könnte. Die Antwort war kurz und knapp, er glaubt nicht, daß es bei uns in der Gegend einen gibt mit dem Fachgebiet Adipositas. Er händigte mir jedoch drei DIN-A4-Seiten mit Adressen aus, und ich fing an zu telefonieren. Gleich bei der ersten Psychologin bekam ich die Antwort, daß sie nur Frauen behandelt. Was solls, habe ja noch genügend Telefonnummern. Nach drei Stunden gab ich entnervt auf. Von sowas können wir nicht ausstellen, nicht mein Fachgebiet bis hin, daß man erst gar keinen erreicht, war ich fertig mit meinen Nerven. Es muss doch jemanden geben der das machen kann. Mein Entschluss war letztendlich, daß ich den Antrag ohne ein psychiatrisches Gutachten abgeben werde, mit der BITTE, wenn sie eins wollen, mir doch Bescheid geben sollen, zu welchem ich gehen soll.

Eine Frau kennen gelernt…

Nein, nicht was jetzt ihr denkt, ich bin ja verheiratet, sondern eine kennengelernt die bei sich einen Schlauchmagen hat machen lassen. Es war am Samstag, 16.07.2017, das weiß ich, weil ich da Geburtstag habe, lernten wir uns in Marienbad (Tschechien) kennen, bei der Team-WM auf der Langbahn. Was heißt kennen – wir kannten uns schon länger, aber haben halt nie über das Thema gesprochen und ich wusste es ja nicht, weil man in einen Menschen ja nicht hinein schauen kann. Was mir an ihr so gefiel, ist einfach, weil sie ganz offen über dieses Thema sprach und mir alle meine Fragen beantwortete. Sie erklärte mir auch, daß sie ein psychiatrisches Gutachten machen lies, und die Krankenkasse es nicht bezahlte, weil sie ja nicht darauf bestanden haben. Meine Hoffnungen stiegen bei diesem Gespräch wieder, daß der Antrag doch durchgehen könnte. Natürlich sahen wir uns öfters auf den Rennbahnen (Deutschland und im Ausland) und immer wieder hatte sie ein offenes Ohr für mich. Auch gab sie mir Ratschläge und beantwortete mir alle meine Fragen. An dieser Stelle nochmal Herzlichen Dank an Sabine.

Der Antrag…

Der Donnerstag, 22.12.2017 war der Tag, an dem ich den Antrag persönlich bei meiner Krankenkasse abgab. Der Bearbeiter meinte, daß er den weitersenden muss und er nicht bei uns vor Ort bearbeitet wird. Na gut, daß war mir auch irgendwie klar. Daß jetzt zwei Wochen nichts passiert, ist auch logisch, und ich verstehe es auch, zwischen Weihnachten und Neujahr. Abgegeben habe ich folgendes:

Drei Seiten Antrag von mir selbst formuliert, wie es mir derzeit geht, meine Begleiterkrankungen und warum ich eine Magenbypass-OP möchte
Ernährungsprotokoll über 28 Tage, mit allen Speisen in gramm-, und Getränke in ml-Angabe, welche ich wann zu mir genommen habe
Bewegungsprotokoll  über 26 Wochen, welche Tätigkeiten ich jeden Tag absolviere
Hausarzt Attest
Ernährungsberatung Teilnahmebescheinigung  
Schlaflabor Attest
vier Fotos von mir (in Unterhose) aus allen Blickrichtungen
Labor Attest

Nun heißt es warten und hoffen.

Die Antwort auf den Antrag…

Am Montag, 26.03.2018 kam auch die Antwort (nach 13 Wochen und etlichen Anrufen von mir bei der Krankenkasse) von der Krankenkasse. Darin standn daß der MDK noch zwei Unterlagen will. Nachdem mir nicht bewusst war, was sie genau wollen, weil ich nicht lateinisch kann, ging ich zu meinem Hausarzt. Er sagte mir, die wollen ein Nervenarzt Attest, ein Herzgutachten und eine Magenspiegelung. Alles nur Hindernisse für mich, meinte er. Aber er sagte „Du ziehst das durch und lasst Dich nicht unterkriegen“. Gleich nahm er den Telefonhörer und machte mir überall Termine aus, bis auf die Magenspiegelung, denn die Praxis war im Urlaub. Desweiteren machte ich gleich noch einen Termin in München bei PD. Dr. med aus, um persönlich mit ihm darüber zu sprechen. 

Wieder mal bei PD. Dr. med…

Es ist schon Wahnsinn, was dieser Doktor für eine Geduld hat. Er beantwortete alle meine Fragen. Seine Meinung ist, daß die Krankenkasse und der MDK auf das psychiatrische Gutachten pochen. Also gab er mir eine Visitenkarte von einem PD Dr. med. und seiner Frau Dr. med. für das psychotherapeutische Gutachten. Laut seiner Aussage sind diese beiden die Besten, die mir beim Antrag helfen könnten und das würde die Krankenkasse sogar zahlen. Beim Verlassen des Klinikums riefen wir gleich dort an, aber um 17 Uhr war natürlich niemand mehr zu erreichen. Am nächsten Tag wurde dann gleich bei den beiden in Stuttgart einen Termin ausgemacht.

In fünf Tagen vier Ärzte.. 

Am Donnerstag, 12.04.2018 ging ich zum Neurologen. Es war halb sieben und die erste Frage war, warum ich hier bin. Meine Antwort, daß ich ein Attest bräuchte für einen Antrag zwecks Magenbypass und es der MDK verlangt. Ungefähr eine dreiviertel Stunde dauerte die Untersuchung und das Gespräch, und am gleichen Tag bekam mein Hausarzt noch das Attest zugefaxt. Auch meinte der Arzt, daß er eigentlich mich nicht so kennt, weil ich erst das zweite Mal bei ihm sei. Eigentlich hat er ja recht, aber trotzdem schrieb er das Attest von unserem Gespräch und seiner Meinung. Dann kam der Montag, 16.04.2018, wo ich mich auch schon wieder beim nächsten Arzt vorstellte. Diesmal bin ich in eine Kardiologie, um mich untersuchen zu lassen. Wie immer ging es mit einem Gespräch mit der Ärztin los. Wie oft habe ich es schon erzählt, was ich vor habe, nicht nur den Ärzten, sondern auch bei Verwandten, Bekannten und Freunden. Aber gut, wie sollen es auch die Ärzte wissen? Nach dem Gespräch wurde ich untersucht an den Schilddrüsen, Ruhe-EKG und was weiß ich noch alles. Danach ging es zum Radfahren und auch dort wurde mein Puls und EKG gemessen. Das ganze dauerte vielleicht nicht ganz eine Stunde, und die Ärztin meinte beim Abschlussgespräch, daß alles in Ordnung sei und von ihr aus die OP stattfinden könnte. Auch hier, noch am gleichen Tag, bekam mein Hausarzt das Attest per Fax. 

Da ich am Dienstag 17.04.2018 nach Stuttgart zum Herrn Prof. Dr. med. und zur  Frau Dr. med. musste, durfte ich am Montag davor um 22:00 Uhr nichts mehr essen und trinken, weil ich nüchtern bei ihnen erscheinen sollte. Okay, dachte ich mir, dann esse und trinke ich halt 15 Stunden nichts und es wird schon gehen. In der Früh um halb sechs holten wir Helle ab und machten uns auf den Weg nach Stuttgart. Nach 320 km und Stau kamen wir um 10:55 Uhr in der Praxis an. Also konnte ich den elf Uhr Termin einhalten und schickte meine Frau und Helle zum Frühstücken. Ich war keine fünf Minuten im Warteraum und schon durfte ich zum Arzt. Und wieder die Frage, warum ich hier bin. Also wieder alles erzählt und erklärt. Wie sich herausstellte, kannten sich der Arzt in Stuttgart und in München anscheinend sehr gut. Als ich den Namen nannte wusste er gleich, es geht um einen Magenbypass. Ich war total erstaunt, und bevor ich was sagen konnte meinte er noch, daß der Arzt, der mich in München operieren würde, einer der besten in Deutschland ist.  Wir lachten viel, und der meinte, er übernimmt ab jetzt alles und ich soll keinen mehr ins Boot holen. Nach diesem Gespräch war ich voll  der Überzeugung, daß dieser Arzt mir weiter helfen kann und ich gut bei ihm aufgehoben bin. Kurz im Wartezimmer und schon musste ich zur Blutabnahme. Gleich, als die Nadel wieder heraus war, fragte ich, ob ich jetzt was trinken dürfe. Mit großen Augen und verwundert schaute mich die Assistentin an und fragte, wieso? Hab ihr gesagt, daß ich seit dem Vorabend um 22:00 Uhr nichts mehr getrunken und gegessen habe. Dann erklärte sie mir, wenn man nüchtern zur Blutabnahme muss, darf man Wasser, Kaffee ohne Zucker und Milch und ungesüßten Tee trinken.  Okay, daß hatte ich vergeßen (die Assistenzärztin in München hatte es mir ja bereits 2016 schon erklärt), also Rucksack auf und einen halben Liter Wasser getrunken. Danach war wieder das Wartezimmer dran. Diesmal musste ich vielleicht 15 Minuten warten und durfte dann zur Frau Dr. med. um das psychologische Gespräch zu führen. Dieses dauerte ungefähr 45 Minuten und zum Schluss meinte auch sie, daß es bei mir keine Probleme gäbe. Gleich darauf, und ohne Wartezimmer, ging es nochmal zum Arzt. Kurzes Abschlussgespräch, und schon wünschte er mir eine gute Heimreise. Schnell noch in Stuttgart was gegessen, und schon ging es die 320 km nach Hause. Eins vorweg, die 640 km haben sich gelohnt.

Warten, warten, warten… 

Zwei Tage nach dem Besuch in Stuttgart bekam ich schon Post von den Ärzten, daß sie die Krankenkasse und den MDK angeschrieben haben. Was da genau geschrieben wurde haben sie mir nicht mitgeteilt. In dem Brief stand auch, daß ich jetzt 6-8 Wochen warten soll, ob sich die Krankenkasse meldet. Also nun wartete ich und wartete. Nach acht Wochen rief ich bei der Krankenkasse an und es wurde mir gesagt, daß noch nichts vom MDK gekommen sei. Also gleich beim MDK angerufen, und hier wurde mir gesagt, daß ein Brief angekommen sei aber immer noch nicht bearbeitet worden ist. Woche für Woche wurde ich nun vertröstet, und wurde auch nie zurückgerufen. Dann kam der Donnerstag, an dem ich nach drei Stunden telefonieren am Tiefpunkt war. Als Erstes rief ich bei der Krankenkasse an und fragte, ob schon was geschehen ist. Die Antwort war, daß ein Schreiben vom MDK gekommen sei und dieser wissen will, ob das ein neuer Antrag oder ein Widerspruch sei. Nachdem ich nicht wusste, was der Arzt aus Stuttgart da geschrieben hat, sagte ich,das ich es nicht weiß. Da meinte er, ich soll beim MDK anrufen und das mit denen klären. Er gab mir eine Nummer wo ich anrufen sollte. Leider erreichte ich unter dieser Nummer nichts und rief wieder bei der Krankenkasse an. Wieder mit dem gleichen Mitarbeiter geredet und seine Aussage war, daß er das unbürokratisch machen wollte. Nun muss er es einer Abteilung weiter leiten, die sich damit befasst. Wie lange dieses wieder dauern würde, konnte er mir nicht sagen. Nach diesem Telefonat kam ich auf die Idee, mal in Stuttgart anzurufen und mit dem Arzt zu reden. Bei diesem Telefonat erfuhr ich, daß der Arzt unerwartet verstorben sei. Er hatte einen Herzinfarkt – und niemand konnte mehr helfen. 

An dieser Stelle wünsche ich der Familie und Angehörigen mein Herzliches Beileid.

Geschockt und total am Ende musste ich das erstmal verdauen. Diesen Arzt, der vor mir saß und mit mir lachte, gab es nicht mehr. Das kann doch nicht sein. 

Eine Frau, die es mir mitteilte, verband mich mit einer anderen Frau. Ob das eine Ärztin war oder nicht, kann ich nicht sagen. Sie sagte bei dem kurzen Gespräch, daß ich mich mit dem Arzt in München in Verbindung setzen soll. Also habe ich gleich in München angerufen und mit dem Arzt einen Termin gemacht, damit wir das weiter Vorgehen besprechen. Schon am 23.07.2018 soll ich kommen und alle Unterlagen mitnehmen. Als ich ihm sagte, daß ich jetzt wieder bei Null bin meinte er, daß ich ja schon alles habe und nichts mehr machen müsse. Erleichtert, auch durch die Worte vom Arzt, legte ich auf. Am nächsten Tag, Freitag 29.06.2018, viel mir beim arbeiten ein, daß der Arzt in Stuttgart ja gesagt hat, daß er Widerspruch einlegen würde. Also schnell eine Pause gemacht und beim MDK angerufen. Die Frau meinte, daß sie einen Brief am Montag den 25.06.2018 an die Krankenkasse gesendet hat. Ich soll doch bei der Krankenkasse anrufen und fragen. Auf die Frage, ob sie mir sagen kann, was da drin steht, meinte sie „Nein, wegen dem Datenschutz“. Aber wenn die bei der Krankenkasse nichts haben, sollen sie bei ihr anrufen, und sie gibt ihnen dann Auskunft. Danach soll mich die Krankenkasse anrufen und es mir ausrichten. Mir rutschte am Telefon aus Versehen nur „Typisch Deutschland“ raus. Aber alle am Telefon machen ja nur ihre Arbeit und können nichts dafür. Also bedankte ich mich bei ihr und schon rief ich bei der Krankenkasse an. Als eine Frau am Telefon war erklärte ich wieder alles, und richtete ihr aus, was mir gerade beim MDK gesagt wurde. Sie meinte, sie schaut im PC nach und sagte, daß was vom MDK da sei. Sie entschuldigte sich und meinte, daß sie kurz mit ihrer Kollegin reden müsste. Meine Antwort war, daß ich jetzt schon so lange warte und es jetzt auf fünf Minuten auch nicht mehr ankomme. Kurz darauf meldete sich die Frau nochmal und sagte, daß sie jetzt das Schreiben für die Zusage schreibt und mir dann per Post schickt. Ganz ehrlich? Ich habe es gar nicht wahrgenommen. Also fragte ich noch mal nach, „Wie , Was???“ Sie erklärte es mir nochmal, daß sie jetzt das Schreiben aufsetzt und es mit der Post zu mir sendet und ich gleich, wenn ich wollte, einen OP-Termin ausmachen könnte. Ein langer und lauter Schrei kam aus mir heraus und die Frau fragte, was jetzt los sei.  Meine Antwort war, daß es ein Befreiungsschrei war, und ich sie, wenn sie vor mir stünde, umarmen würde. Ich merkte auch an ihrere Stimme, daß sie sich für mich freute. Mit zitternden Händen rief ich gleich in München an und machte einen OP-Termin aus. Der Termin ist somit der 23.08.2018 – andem ich das neue Leben 2.0 starte. 

Am Dienstag 03.07.2018 bekam ich das Schreiben von der Krankenkasse mit der Zusage. Gleich wurde die Zusage per Fax an das Krankenhaus gesendet und mit ihnen telefoniert. 

Heute Mittwoch 04.07.2018 sind per E-Mail die ganzen Unterlagen für die OP gekommen, und auch der OP-Termin für Donnerstag 23.08.2018 wurde bestätigt. 

Wenn die OP vorbei ist werde ich Euch weiter auf dem Laufenden halten.

Zum Schluss wollte ich mich bei allen Ärzten, die mir geholfen haben, recht herzlich bedanken. 

Auch ein großer Dank geht an meine Familie, Helle, Nicole, Angela, Günni und Spane, die sich das alles 1.000 mal anhören mussten und dennoch immer hinter mir standen und mich weiter puschten. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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